| Kulturlandschaft im Wandel der Zeit – von
der Vergangenheit in die Zukunft Einleitung
Das Calancatal liegt im Grenzbereich der Ökumene, Relief und Klima
setzen der Landnutzung enge Grenzen. Im Landschaftsbild dominiert der
Naturraum, was wir aber sehen und erleben ist eine in Jahrhunderten gewachsene
Kulturlandschaft, ein Lebensraum für Menschen. Sie wurde und wird
wesentlich gestaltet durch die sich laufend verändernde bäuerliche
Bewirtschaftung.
Zwangsweise führt allein schon die Besiedlung durch den Menschen
zu ersten Eingriffen in die Landschaft, mit wachsenden Bedürfnissen
und Ansprüchen nehmen diese zu. In der traditionellen Kulturlandschaft
des Calancatals bestand über Jahrhunderte ein Gleichgewicht zwischen
Mensch und Natur. Zwar wurde der arge Lebensraum bis zum Äußersten
genutzt, doch die menschlichen Tätigkeiten ordneten sich in die Naturlandschaft
ein, die Landnutzung war im umfassendsten Sinn nachhaltig. Bedingt durch
die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung blieben durch die moderne
Technik möglich gewordene größere Eingriffe in die Landschaft
auch in den letzten Jahrzehnten selten.
Landschaften sind dynamisch, sie verändern sich
ununterbrochen. Das gilt insbesondere auch bei einer Extensivierung der
Landnutzung zufolge Abwanderung. Kulturlandschaften erfordern einen ständigen
Pflegeaufwand, sie sind nicht zum Nulltarif zu haben. Wo sich der Mensch
zurückzieht, kommt die Wildnis, bei uns früher oder später
in Form von Wald.
Soll man was dagegen tun? Während sich die einen aus Naturliebe über
diesen Prozess freuen, beklagen die anderen den Verlust von Kulturland.
Die Zunahme der Waldflächen in peripheren Lagen hat unbestritten
auch positive Seiten und ist in Tälern, die von massiver Abwanderung
betroffen sind und schwierige topografische Bedingungen aufweisen auch
gar nicht zu verhindern. Es gibt aber gewichtige Gründe, die für
eine zumindest teilweise Erhaltung der Berglandwirtschaft und damit verbunden
der traditionellen Kulturlandschaft sprechen, vorausgesetzt man will die
Dörfer im Tal nicht sterben lassen.
• In Randregionen zählt jeder Arbeitsplatz,
jede Familie, die im Dorf bleiben kann
• Naturnahe Kulturlandschaften sind reichhaltiger als die Naturlandschaft,
se beinhalten artenreichere Lebensräume
• Der Tourismus stützt sich auf halboffene naturnahe Kulturlandschaften
mit Wiesen, Alpweiden, Aussichtspunkten etc., bei totaler Verwaldung nimmt
die Erholungseignung der Landschaft ab.
• Zumindest punktuell sollen Zeugnisse der traditionellen Kulturlandschaft,
die den südalpinen Raum über Jahrhunderte geprägt hat,
für die Nachwelt gerettet werden, nur so bleiben die früheren
Wirtschaftsformen für den heutigen Menschen anschaulich.
Bilder: Ruinen traditionell genutzter
Wirtschafts- und Wohngebäude und Nutzflächen oberhalb von Cauco
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